Erstmals Beschäftigungsaufschwung - Minister Reiner Haseloff sprach auf “Weißenfelser Wirtschaftsforum” in Leißling
Der Wochenspiegel berichtet: Leißling/Weißenfels (wr). In der Reihe “Wirtschaftforum”, veranstaltet vom Lions Club Weißenfels, erörterte am Dienstagabend Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff (CDU) vor knapp 100 Teilnehmern aus der regionalen Wirtschaft und Politik in Leißling” aktuelle Fragen der Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik in Sachsen-Anhalt. Oberstarzt Dr. Max Hagel, Standortältester der Bundeswehr in Weißenfels/Naumburg, hatte als amtierender Präsident des Lions Club den Minister als Gesprächsgast herzlich im Saal des Hotels “Schöne Aussicht” willkommen geheißen.
Und Max Hagel sprach den Minister sogleich und direkt in Sachen Landesunterstützung der Weißenfelser Wirtschaftsakademie für Schüler - Hagel ist Kuratoriumsmitglied dieser privaten Stiftung - an. Die Wirtschaftsakademie, die inzwischen rund 300 Schüler erfasst, sei entstanden, weil in den Lehrplänen des Landes, das die meisten Lehrer pro Schüler habe, das Thema Wirtschaft eigentlich gar nicht vorkomme, spitzte Hagel zu. Diese Sache müsse unbedingt korrigiert werden, forderte er. Die regionale Wirtschaft habe ihre Hausaufgaben gemacht und gehe davon aus, dass die Schülerakademie durch das Land unterstützt werde. Hagels Tenor: Der angestrebte wirtschaftliche Aufschwung müsse auch in den Köpfen stattfinden und bei den Menschen im zusammenwachsenden neuen Großkreis ankommen. Hagels Steilvorlage für den Vortragseinstieg des Ministers nahm dieser direkt und mit Humor an. Er sei schon ein bisschen auf Weihnachten eingestimmt, aber er sehe, “hier stecke Power dahinter.” Dr. Haseloff blickte zunächst zurück: Sachsen-Anhalt hatte 1992, als die Umstrukturierung der Unternehmen begann, eine nominelle Arbeitslosenquote von 49,2 Prozent. Es sei ein mühsamer Prozess gewesen davon runter zu kommen. Im Jahr 2006 stehe eine Arbeitslosenquote von rund 21 Prozent zu Buche, die niedrigste seit 1992. Für Arbeitslose sei das zwar kein Trost, doch sei in diesem Jahr seit 1990 erstmals im Jahresdurchschnitt kein Arbeitsplatzverlust in den Branchen aufgetreten. Haseloff sprach vom “ersten Beschäftigungsaufwuchs” in Sachsen-Anhalt” seit 1990. Die meisten Arbeitsplätze verliere das Land - politisch gewollt - im öffentlichen Dienst. Jährlich zwischen 7000 bis 8000. Der Beschäftigungsaufwuchs in der Wirtschaft werde vom verarbeitenden Gewerbe und der Industrie getragen. Dies sei auch in der Region Weißenfels der Fall. “Die Talsohle ist erreicht. In diesem Jahr wurde begonnen, sie in kleinen Schritten zu verlassen”, sagte Haseloff. Rund 50.000 Arbeitslose weniger zum Vorjahr, das zähle schon etwas. Sachsen-Anhalt habe vor einem Monat Berlin in punkto Beschäftigungsquote überholt und Sachsen liege in Reichweite. In den wesentlichen Wirtschaftsdaten, etwa Arbeitsproduktivität und Bruttowertschaffung je Arbeitsplatz, sei Sachsen-Anhalt bereits besser als der östliche Nachbar. Minister Haseloff hob hervor, dass die Sachsen-Anhalter Grund haben, auf das in bestimmten Bereichen Erreichte stolz zu seien. So in der Industrie, im verarbeitenden Gewerbe, auch im Maschinenbau und vor allen in der Lebensmittelbrache, die mit 23 Prozent Anteil an der gesamtem Wertschöpfung hat. Letztere präge letztlich auch die wirtschaftliche Entwicklung “in ihrer Region”, so Haseloff, weil sie über die Versorgung der lokalen und regionalen Märkte hinaus über die Ost-West-Vernetzung ( A9, A2) auch den europäischen Markt bedienen kann. Der Minister verwies darauf, dass bestimmte Branchen wieder in die Förderung hineingenommen wurden, uneingeschränkt die Lebensmittelbranche und die Logistik. Auch bezog er die kleinen Unternehmen - 90 Prozent der Firmen im Land haben Beschäftigtenzahlen von eins bis 20 - mit ein. Diese Kleinen müssen aufwachsen, größer werden und förderfähig sein. Zur Ausbildung sagte Haseloff, dass das Problem besteht, dass viele Ausbildungsplätze verloren gingen. Rund 25 Prozent der begonnenen Ausbildungsverhältnisse werden abgebrochen, meisten schon im ersten Lehrjahr. “Damit wird ein Viertel der Ausbildungsplätze, die von der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden, mehr oder weniger eliminiert”, so Haseloff. Die Berufsbilder seien z. T. nicht auf dem aktuellen Stand nannte er eine Ursache dafür. Deswegen finde er die Aktivitäten der Wirtschaftsakademie für Schüler “hervorragend”. Sie vermittle reale Berufsbilder, das was im Wirtschaftsleben ablaufe und wie Marktwirtschaft funktioniere. Betreffend Weißenfels äußerte der Minister: Die Stadt habe ihren eigenen Charme, einiges erreicht, worauf man stolz sein könne, aber auch noch Handlungsbedarf. “In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird sich hier vieles noch zum Positiven entwickeln”, zeigte sich der Minister optimistisch. Die Kommunalpolitik können dabei vieles steuern, so das Vorhalten von Infrastruktur, Angebote im Sinne von Gewerbegebieten oder günstige Verhandlungen mit investitionsbereiten Ansiedlern. Weißenfels und sein Umfeld setzten hier “Signale, die hoffnungsvoll sind.” Der Wirtschaftsstandort Weißenfels, der sich u.a. durch gute Standortlage und Verkehrsinfrastruktur auszeichnet, bleibe weiterhin sehr interessant. Weißenfels werde u.a. durch seinen Schlosskomplex geprägt. Zur hier vorgesehenen Nutzung - das Medizinische Bildungszentrum möchte hier seine private Hochschule ansiedeln (die Red.) - sagte Haseloff, es gebe noch keine abschließende, endgültige Lösung. Diese müsse aber in den nächsten drei, vier Jahren her. Man arbeite gemeinsam mit dem Bundesministerium daran. Noch deutlicher werde das Land in den nächsten Jahren auf Tourismus setzen. Die Region Weißenfels sei mit dem Sonnenobservatorium Goseck dabei Bestandteil einer wichtigen Landesmarke. Als Marke kennzeichnet der Minister auch das Netzwerk Ernährungsgewerbe Sachsen-Anhalt Süd, das in Weißenfels ansässig ist. Auch werde in dieser Region mit dem Mitteldeutschen Basketball Club (MBC) ein sportliches Qualitätszeichen gesetzt.